Verbandsführung

Aus Wissensdatenbank FDP Berlin
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Im Ehrenamt wie im Beruf gibt es verschiedene Führungsmodelle. Grundsätzlich unterscheiden sich Führungsaufgaben nicht wesentlich von denen im nicht-ehrenamtlichen Bereich. Allerdings gibt es im Ehrenamt in Untergliederungen in der Regel weniger Ressourcen (Geld und Zeit) und so ist das Engagement einzelner Mitglieder entscheidend. Hier kommt es für Führungskräfte noch mehr auf Anerkennung, Motivation und gute Kommunikation an. Dabei sind vier Faktoren auf den ersten Blick selbstverständlich, aber nichtsdestotrotz von entscheidender Bedeutung.

Respektvolles Verhalten und Wertschätzung

Sowohl Vorstandsmitglieder als auch Mitglieder sind überzeugt von den Ideen der Partei und setzen ihre Freizeit für die Partei ein. Dafür engagieren sie sich in ihrer Freizeit. Diesem Engagement sollten wir grundsätzlich mit Respekt und Anerkennung begegnen. Dazu gehören einfache Normen des Miteinanders wie das einfache Bedanken nach Aktionen, das Hervorheben besonders engagierter Mitglieder, aber vor allem die Anerkennung, dass dieses Engagement nicht selbstverständlich ist. Gleichzeitig gehört es dabei auch zu einer Führungsaufgabe, den Personen, die diesem respektvollen Umgang entgegenwirken, klare Grenzen aufzuzeigen. Zu den Aufgaben von Führungskräften auf allen Ebenen der Partei gehört es, eine Verbandskultur zu fördern, in der sich Mitglieder und Interessierte - egal welchen Geschlechts, Alters, Herkunft, Sexualität und Religion - wohlfühlen. Barrieren, die dem Engagement entgegenstehen, sollten minimiert werden. In Sitzungen gehört dazu, Dampfplauderer und Platzhirsche auch mal darauf hinzuweisen, dass andere Mitglieder auch zu Wort kommen möchten. Wenn es dazu kommt, ist es auch notwendig, übergriffige Mitglieder deutlich in die Schranken zu weisen.

Präzise Kommunikation und realistische Planung

Je präziser wir unsere Arbeit organisieren, desto effektiver sind wir. Bei Veranstaltungen und Wahlkampfformaten sollte vorher klar sein, was das Ziel unserer Zusammenkunft ist. Im Idealfall gibt es für jedes Treffen eine klare Agenda, die Orientierung für den Ablauf und das Ziel bietet. Diese Ziele sollten zugleich realistisch als auch motivierend sein. Wenn wir präzise planen, wissen wir was tatsächlich möglich ist und, was wir erreichen können. Leider scheitert manche gute Idee an überambitionierten Vorstellungen, die sich mit rein ehrenamtlicher Arbeit nicht erreichen lassen. Hier kann weniger manchmal mehr sein. Es kommt immer auf die Ressourcen an, die einem Orts- und Bezirksverband zu Verfügung stehen und wie man das Beste daraus machen kann. In der alltäglichen Parteiarbeit aber gerade für den Wahlkampf heißt das, genau zu kommunizieren, worum es bei einer konkreten Aktion geht, wer welche Aufgaben hat und wer die Gesamtverantwortung hat, wer für Fragen ansprechbar ist, wer was mitbringt usw. Durch realistische und gute Planung sowie transparente Kommunikation können wir dazu beitragen, dass wir Missverständnisse verhindern und gleichzeitig sorgsam mit der Zeit unserer Mitglieder umgehen.

Zeitmanagement und Verbindlichkeit

Für die meisten von uns ist Politik eine ehrenamtliche Tätigkeit. Neben der Politik gibt es Beruf, Familie, Freunde, Freizeit und häufig sogar weitere ehrenamtliche Tätigkeiten. Gerade im Wahlkampf aber auch im Alltag müssen wir daher mit der kostbaren Ressource Zeit unserer Mitglieder besonders verantwortungsvoll umgehen. Dabei hilft die bereits genannte Präzision und ebenso gute, vorrausschauende Planung. Um Mitgliedern die Möglichkeit der Teilnahme zu geben, sollten Veranstaltungen und Aktionen frühzeitig und so konkret wie möglich angekündigt werden. Im Wahlkampf geht es auch darum, genaue Zeitpläne zu erstellen und diese auch einzuhalten. Diese Verbindlichkeit gilt sowohl für einzelne Aktionen etwa beim Plakatieren oder einer Kombination aus Standwahlkampf und Haustürwahlkampf aber auch für kontinuierliche und wiederkehrende Formate. Genauso kann man bei Sitzungen und Veranstaltungen vorher bereits bei der Einladung auf ein angepeiltes Sitzungsende hinweisen und dieses auch einhalten. Die Sitzungsleitung muss (im Vorfeld) darauf achten, dass die Tagesordnung realistisch geplant und im Laufe der Sitzung auch entsprechend der Prioritäten abgearbeitet wird. Bei programmatischen Prozessen ist ratsam, vorher einen Zeitplan zu erstellen, wann man wo im Prozess stehen möchte - z.B. angefangen beim Beginn mit einem ersten Brainstorming über on- und offline Diskussionsformaten bis hin zur Schreibphase und dem letztendlichen Beschluss.

Abwechslung und Ausprobieren

In der alltäglichen Parteiarbeit gibt es bewährte Formate wie unsere Vorstandssitzungen, Ortsverbandstreffs, Diskussionsveranstaltungen und die Standarbeit im Wahlkampf. Schon hier lässt sich durch die Ausgestaltung der Sitzung und des Straßenwahlkampfes Abwechslung reinbringen. Dabei geht es nicht darum das Rad neu zu erfinden, sondern gemeinsam mit den Mitgliedern zu überlegen und zu experimentieren, was attraktive Veranstaltungs- und Aktionsformate sind. Das beginnt bei Zeitpunkt und Ort, geht über den Ablauf und der Konzeption der Veranstaltung oder auch im Wahlkampf mit Haustürwahlkampf oder innovativen Aktionen und endet bei Trainings und Schulungen in neuen Methoden. Hier braucht es ein wenig Mut zum Auszuprobieren und auch bei anderen Orts- oder Bezirksverbänden sowie dem Landesvorstand nach Best-Practice Beispielen zu fragen. Für virtuelle Sitzungen gibt es unterschiedliche Messenger, Telefon- und Videokonferenzen, die verschiedene Vor- und Nachteile bieten. Hier ist es sinnvoll, gemeinsam eine Messenger- und/oder Video-Lösung im kleinen Kreis auszuprobieren und dann die Mitglieder sukzessive über diese Werkzeuge in die Parteiarbeit z.B. für Vorstandssitzungen oder Mitgliederveranstaltungen einzubinden. Eine klare Tagesordnung und eine gute Moderation sind genau wie bei „nicht digitalen“ Sitzungen zwingend erforderlich. Für das Teilen und Bearbeiten von Dokumenten gibt es zum Beispiel „Meine Freiheit“ als zentrale Plattform für digitale Parteiarbeit, die u.a. vom Bundesvorstand der FDP genutzt wird. In von Untergliederungen angelegten Gruppen können z.B. Dokumente ausgetauscht und die örtliche Parteiarbeit digital organisiert werden.

Nicht immer wird sicher jeder Aspekt in vollem Umfang und in jeder Situation beachten lassen aber insgesamt können diese vier Hinweise dabei helfen unsere Mitglieder und Freiwilligen besser einzusetzen und zu motivieren.